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Totalschaden

Im Zusammenhang mit einem unfallbedingten Totalschaden des beschädigten Fahrzeugs sind einige Besonderheiten zu beachten. Beim Totalschaden wird unterschieden zwischen „echtem“ und „unechtem“ Totalschaden.

Bei wirtschaftlichem Totalschaden liegt ein echter Totalschaden vor. Ein echter Totalschaden liegt vor, wenn das Fahrzeug entweder in tatsächlicher Hinsicht vollständig zerstört wurde, oder wenn nach wirtschaftlicher Betrachtung die Sache nicht reparaturwürdig ist. Ein Fahrzeug ist grundsätzlich dann nicht reparaturwürdig, wenn die voraussichtlich anfallenden Reparaturkosten die Kosten für die Beschaffung eines vergleichbaren Ersatzfahrzeugs übersteigen. Dann liegt ein „wirtschaftlicher Totalschaden“ vor. Bei einem ca. zwanzig Jahre alten, gut erhaltenen Pkw mag der Preis für ein vergleichbares Fahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt 2.000 EUR betragen. Wird das Fahrzeug bei einem Unfall erheblich beschädigt, so können die für eine Reparatur des Fahrzeugs aufzuwendenden Kosten den Betrag von 2.000 EUR leicht übersteigen, es liegt Totalschaden vor. Die Reparatur wäre dann grundsätzlich unwirtschaftlich.

Von dem Eigentümer des Fahrzeugs wird dann grundsätzlich verlangt, im Rahmen der bestehenden Schadensminderungspflicht ein gleichwertiges Ersatzfahrzeug anzuschaffen, anstatt das betagte Fahrzeug mit unverhältnismäßigem Aufwand reparieren zu lassen. Bei der Abrechnung auf Totalschadenbasis kann der Geschädigte den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts des beschädigten Fahrzeugs ersetzt verlangen. Der Restwert des beschädigten Fahrzeugs wird in der Regel aus dem Schadensgutachten des Sachverständigen hervorgehen. Teilweise benennt der gegnerische Versicherer, der den Schaden zu ersetzen hat, eine Firma, die das beschädigte Fahrzeug zu einem höheren Restwert ankaufen würde. Dann kann es sein, dass der Geschädigte sich den höheren Restwert anrechnen lassen muss. Erzielt der Geschädigte bei der selbst vorgenommenen Veräußerung einen höheren Preis als den maßgeblichen Restwert, so kann er den über den als Restwert ermittelten Betrag hinausgehenden Kaufpreisteil behalten. Der Sache nach kann man von einer zusätzlichen Entschädigung ausgehen.

Um überhaupt beurteilen zu können, ob in einem konkreten Fall ein Totalschaden vorliegt, müssen die beiden Positionen „voraussichtliche Reparaturkosten“ und „Wiederbeschaffungswert“ ins Verhältnis gesetzt werden. Der Wiederbeschaffungswert setzt sich zusammen aus dem Zeitwert des beschädigten Fahrzeugs zuzüglich einem von der Rechtsprechung zugebilligten „Händler-Zuschlag“ von 15 Prozent. Beide Positionen sind in der Praxis von einem Sachverständigen zu ermitteln und ins Verhältnis zu setzen. Das Schadensgutachten des Sachverständigen enthält in der Regel eine Empfehlung dazu, ob unter Berücksichtigung der ermittelten Beträge für die Reparaturkosten und den Wiederbeschaffungswert unter Berücksichtigung der einschlägigen Rechtsprechung eine Fahrzeugreparatur empfohlen wird.

Ein unechter Totalschaden liegt vor, wenn eine Reparatur des beschädigten Fahrzeugs nicht unwirtschaftlich ist, sondern unzumutbar. Das ist insbesondere bei erheblich beschädigten Neuwagen mit einer im Unfallzeitpunkt erbrachten Fahrleistung unter 1.000 km der Fall. Dann kann der Geschädigte als Schadensersatz den Neuwert seines Fahrzeugs ohne Abzüge verlangen. In besonders gelagerten Fällen kann auch bis zu einer Laufleistung von 3.000 km noch auf Neuwagenbasis Schadensersatz geltend gemacht werden. Der Geschädigte braucht sich in den genannten Fällen nicht auf die Geltendmachung des Wiederbeschaffungswerts verweisen zu lassen.


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