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Abrechung auf Gutachtenbasis

Im Zusammenhang mit der Regulierung von Unfallschäden ist es rechtlich zulässig und in der Praxis weit verbreitet, „auf Gutachtenbasis“ abzurechnen. Das bedeutet, dass nicht ein tatsächlich entstandener Schaden, etwa in Gestalt von konkret angefallenen Reparaturkosten, als Schadensersatzbetrag geltend gemacht wird, sondern ein auf Grund eines Sachverständigengutachtens errechneter „fiktiver“ Schaden. Diese Möglichkeit ist im Gesetz ausdrücklich vorgesehen.

In § 249 Absatz 2 BGB heißt es wörtlich:

„Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen.“

Neu eingeführt wurde allerdings im Rahmen des Änderungsgesetzes 2002 eine Regelung, wonach bei der fiktiven Abrechnung auf Gutachtenbasis nicht mehr die im Schadensgutachten ausgewiesene Umsatzsteuer geltend gemacht werden kann.

Der durch das Änderungsgesetz 2002 neu eingeführte § 249 Absatz 2 Satz 2 BGB lautet:

„Bei der Beschädigung einer Sache schließt der nach Satz 1 erforderliche Geldbetrag die Umsatzsteuer nur mit ein, wenn und soweit sie tatsächlich angefallen ist.“

Demnach kann bei der Abrechnung auf Gutachtenbasis niemals die anfallende Umsatzsteuer geltend gemacht werden, weil die Umsatzsteuer nur anfällt, wenn eine Reparatur tatsächlich durchgeführt wird.

Bei der Abrechnung auf Gutachtenbasis stellt sich oftmals die Frage, wer das Schadensgutachten in Auftrag gibt und bezahlt. Grundsätzlich ist es Sache des Geschädigten, seinen Schadensersatzanspruch geltend zu machen und die erforderlichen Nachweise, etwa das Schadensgutachten des Sachverständigen, zu beschaffen. Insoweit ist grundsätzlich zu beachten, dass die Kosten für ein Sachverständigengutachten nur dann ersetzt verlangt werden können, wenn ein Sachschaden von mindestens ca. 750 EUR eingetreten ist. Weiterhin ist zu beachten, dass die Kosten für ein Sachverständigengutachten nur anteilig ersetzt werden, wenn der Geschädigte einen Teil des Schadens selbst zu tragen hat, etwa wegen eines gegebenen Mitverschuldens. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, ein Sachverständigengutachten durch den zum Schadensersatz verpflichteten Versicherer in Auftrag geben zu lassen. Dann trägt der Versicherer in der Regel auch die insoweit anfallenden Gutachterkosten. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass das Sachverständigengutachten im Sinne des Auftraggebers, des gegnerischen Versicherers ausfällt, und nur einen relativ geringfügigen Schadensersatzbetrag ermittelt. Deswegen sollte das Anfertigen bzw. Beauftragen des Schadensgutachtens durch den gegnerischen Versicherer nur dann akzeptiert werden, wenn die Haftungsfrage unklar ist und zudem mit vergleichsweise niedrigen Reparaturkosten zu rechnen ist. Für alle anderen Fälle rät der Rechtsanwalt bei strafzettel.de davon ab, ein Schadensgutachten vom gegnerischen Versicherer anfertigen oder in Auftrag geben zu lassen.

Was der Geschädigte im Falle einer Abrechnung auf Gutachtenbasis mit dem als Schadensersatz an ihn gezahlten Geld macht, kann er frei bestimmen. Der Geschädigte ist keineswegs dazu verpflichtet, das Geld tatsächlich für die Reparatur des beschädigten Fahrzeugs auszugeben. Er kann das Geld auch zu jedem beliebigen anderen Zweck verwenden.


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