Startseite Geschwindigkeitsfälle SV - Gutachten 

Sachverständigengutachten

Sofern die Verteidigung im Zusammenhang mit dem Vorwurf einer Geschwindigkeitsüberschreitung darauf gestützt wird, dass ein Messfehler bei der Geschwindigkeitsmessung vorgelegen habe, wird es oftmals erforderlich sein, einen Sachverständigen mit der Überprüfung der vorgenommenen Geschwindigkeitsmessung zu beauftragen. Es handelt sich bei der Geschwindigkeitsmessung nämlich um einen komplizierten naturwissenschaftlichen Vorgang. Dem Gericht und dem Verteidiger fehlen in der Regel die erforderlichen Fachkenntnisse, um selbst prüfen zu können, ob ein Messfehler vorliegt oder nicht. Deswegen wird in entsprechenden Fällen jemand mit der Überprüfung des Messvorgangs beauftragt, der über die hierfür erforderlichen Fachkenntnisse verfügt. Dies ist ein Sachverständiger mit einer passenden fachlichen Ausrichtung.

Zu beachten ist, dass die Einholung eines Sachverständigengutachtens einen erheblichen Geldbetrag kostet. Selbst in einfachen Fallgestaltungen kostet ein Sachverständigengutachten zur Geschwindigkeitsmessung schell 1.000 EUR oder mehr. Es handelt sich dabei um Verfahrenskosten, die von dem Betroffenen grundsätzlich zu tragen sind, wenn es wegen der vorgeworfenen Geschwindigkeitsüberschreitung zu einer rechtskräftigen Entscheidung zu Lasten des Betroffenen kommt. Somit dürfte es regelmäßig nur dann in Betracht kommen sich auf das Vorliegen eines Messfehlers zu berufen, wenn eine Rechtsschutzversicherung die Kosten des Sachverständigengutachtens trägt, oder wenn Geld aus anderen Gründen keine Rolex spielt.

Die Erfolgsquote bei Sachverständigengutachten ist ziemlich gering, d.h. es kommt nur ausnahmsweise und selten dazu, dass der Sachverständige eine Fehlmessung ermittelt. In der Praxis entsteht hingegen oftmals der Eindruck als ginge der Sachverständige von vornherein mit der Absicht an den Gutachtenauftrag, die Korrektheit der vorgenommen Messung zu bestätigen, an Statt unparteiisch und ergebnisoffen an den Gutachtenauftrag heranzugehen. Natürlich wird jeder Sachverständige diese Behauptung weit von sich weisen. Aber was würden Sie denken, wenn der Sachverständige schon vor der Hauptverhandlung in kumpelhaftem Ton mit den Polizeibeamten plaudert, die die Geschwindigkeitsmessung vorgenommen haben, weil man sich aus vergleichbaren Verfahren sowieso kennt? Es entsteht auch teilweise der Eindruck, der Sachverständige weise bei der Erläuterung seines Gutachtens die auch nur theoretische Möglichkeit von Messfehlern an solchen Stellen allgemein zurück, wo bereits der Laie sieht, dass ein Messfehler jedenfalls unter bestimmten Voraussetzungen auftreten könnte. Böse Zungen bezeichnen manche Sachverständige als bloße "Verurteilungsgehilfen" des Gerichts.


« Verteidigungslinien | Rechtsfolgen »
   
in Kooperation mit verkehrsportal.de Druckversion anzeigen